Liebe Lesende. Jetzt im Sommer wird der Rasen immer brauner. Dabei wünsche ich mir doch mit möglichst wenig Aufwand einen schönen, grünen Rasen. Ich habe regelmässig gemäht, gedüngt und bewässert. Trotzdem ist auch in diesem Jahr aus dem erhofften grünen Rasen nicht viel geworden. Irgendetwas habe ich vermutlich vernachlässigt – oder vielleicht auch einfach die Natur unterschätzt?
Was also soll ich tun? Braucht es noch mehr Einsatz, mehr Pflege, mehr Wasser? Oder muss ich mir eingestehen, dass ich der Natur
letztlich doch unterlegen bin?
Natürlich könnte ich auch einfach behaupten, dass mir die verwilderte, braune Fläche gefällt. Für die Vorbeigehenden könnte ich
eine Tafel aufstellen: «Rasenmäher defekt, Gartenschlauch verliehen.»
Eine andere Möglichkeit wäre eine Hinweistafel mit einem Farbcode: Schneeweiss – saftgrün – blütengelb – sommergold – herbstbraun.
Daran könnte man ablesen, ob der Rasen gerade der jeweiligen Jahreszeit entsprechend «im grünen Bereich» liegt.
Vielleicht liegt die Kunst aber gar nicht darin, die Natur ständig in die gewünschte Form zu bringen. Vielleicht geht es vielmehr darum,
sie mit all ihren Facetten anzunehmen – als Teil der Schöpfung, so wie sie ist.
Ihnen und mir wünsche ich deshalb die Gelassenheit, die Natur anzunehmen, und ein glänzendes Sommergold in den Gedanken.
Ruedi Linsi, Kirchenpflege